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Da ich doch schon einige Tage in den vergangenen Jahren auf dieser kleinen Insel verbracht habe, dachte ich dass es eigentlich nicht mehr so viel gibt über das ich mich noch wundern bzw. was mich noch schockieren könnte. Doch es ist genau das Gegenteil der Fall, an die Insel kann man sich einfach nicht gewöhnen sie überrascht einen jeden Sommer aufs Neue.
Sie wird immer weiter leben, dies können selbst die neuen Gesetzte des Inselrats nicht verhindern und so sind wir uns alle einig der Insel in den kommenden Sommern treu zu bleiben, niemals schlecht über sie zu reden und für sie da zu sein, wenn sie uns braucht. So wie sie jeden Sommer für uns da ist, wenn wir sie brauchen.
Es wurde dunkel und in diesem Moment wurde mir eins klar, wenn die Sonne das nächste mal ihre Strahlen auf die Insel wirft, dann ruft das DC10 zur monday morning session und am Kilometer 1 der carretera de las Salinas heißt es dann „Sorry, we are circoloco“. Wir nahmen über Nacht eine waagerechte Position ein und versuchten so viel Energie zu sparen wie nur möglich, den in dem skurillsten, verrücktesten und heftigsten Club in dem ich je gefeiert habe ist jedes einzelne Gramm Energie dringend notwendig. Ich schloss meine Augen und schon wenige Minuten später schlief ich etwas nervös aber dafür ganz unbesorgt ein, denn ich wusste genau der circoloco Tanz steht unmittelbar bevor. Nun war es dann endlich so weit und alles vor dem ich in meiner Erziehung gewarnt worden bin, war so gut wie nicht mehr zu verhindern. Wir machten uns startklar und begaben uns in ein würdiges Outfit. Ich füllte noch eine Tasche, im inneren befand sich die so genannte DC10 Ausrüstung, diese ist absolut wichtig um auf der Terrasse nicht unnötig aufzufallen und vor allem dem strengen „Dress Code“ im Club zu entsprechen. Wir kauften uns noch schnell drei Karten, für den Club der direkt neben der Landebahn rockt. Wir waren Gott froh, als wir hörten dass es nur One Way Karten zu kaufen gibt und schlugen natürlich sofort zu. Wir stiegen ins Taxi und fuhren in Richtung Landebahn des Flughafens. Als wir ankamen viel uns gleich die neu errichtete Einfahrt auf. Im Gegensatz zu den anderen neuen Gesetzen und Vorschriften diesmal eine sehr sinnvolle Lösung. Denn der Ein- bzw. Ausgang geht nun nicht mehr direkt auf die Hauptstrasse sondern nach hinten auf einen Feldweg.
 Als wir über den Parkplatz in Richtung Eingang wanderten und die Scheibe hörten die hinter der Mauer lief, war ich mir sicher, so wie hier muss es auch im Himmel sein. Das ummauerte Paradies, das durch den Eintritt eines bewachten Himmeltors betreten werden kann. Am Eingang sahen wir eine Schlange von sehr motivierten Leuten die auch durch das Tor vordringen wollten und das an einem Montagnachmittag bei 30° im Schatten. Am Eingang angekommen vermisste ich wie auch die Jahre davor, ein dreieckiges Hinweisschild welches meiner Meinung nach am DC10 mit der Aufschrift „Betreten auf eigene Gefahr“ angebracht sein müsste. Manche Käfige im Zoo sind mit diesem Schild versehen doch der circoloco Tanz ist für jeden Besucher frei zugänglich. Ohne auch nur eine Sekunde darüber nachzudenken was uns die nächsten Stunden im inneren des Geheges passieren könnte gaben wir dem Security unsere Karten, machten ein paar Schritte ins dunkel und wandten der Realität unsere Rücken zu. Im inneren war es wie immer stock finster, am anderen Ende hing ein Vorhang der den Durchgang zur Terrasse markierte und in unbestimmten Abständen warf die Sonne ein paar Lichtstrahlen in den Club, so war es uns halbwegs möglich unsere Körper auf die Terrasse zu navigieren. Als wir an der anderen Seite des Vorhangs angekommen waren, reichte ein kurzer Blick über die Terrasse und wir wussten heute ist „FEIERTAG“. Es war schon bzw. erst 3Uhr nachmittags (mitteleuropäische ibizenkische Zeit). Das es nur One Way Karten gab hatte wohl niemand davon abgehalten die Afterhour Party im DC10 zu besuchen. Die Terrasse war voll und die Stimmung war wie immer unbeschreiblich. Es dauerte nur wenige Minuten als wir in mitten des Geheges standen und uns voll und ganz den anderen circoloco Rockern anschließen konnten. Einige seltsame Menschen kamen hier auf einmal zum Vorschein.
Aus Gründen der Veröffentlichung dieses Beitrags behält sich die klubbing Redaktion vor, die gesichteten Personen im Club näher zu beschreiben. Die Musik wurde, so wie man das vom DC10 gewöhnt ist, zu später Stunde im heftiger, die Leute im Club hatten überhaupt keine Probleme sich dem Zustand der Musik anzupassen und so kam es schon mal vor das man sich um den ein oder anderen ein klein wenig Sorgen machen musste. Die feiernde Crew mit Sonnenbrillen nahm immer mehr an überhand und auch wir waren Gott froh unsere Augen vor der Sonne und vor allem vor den durchzechten Gesichtern mach feierwütigem ibizenko zu schützen. Wer dann noch einen Fächer bei sich hatte brauchte sich um die Kühlung seines Feierherzes keine Sorgen zu machen somit rockte man mit Vollgas in Richtung Tania Vulcano & Friends. Eine total Zusammengewürfelte Crew aus schlaflosen, fertigen, geilen, krassen, feiernden, wilden, mutigen und hübschen Freaks feierte diesen Montag Nachmittag in Grund und Boden. Über so eine Party kann man über die Grenzen, dieses kleinen Inselstaats, wohl nur träumen. In unserem Umkreis waren einige dabei die wohl nicht damit gerechnet hatten wie heiß es auf der monday morning sesssion werden kann. Diese genannten Personen versuchten doch immer wieder von unserer Fächerleistung ein paar Windböen abzubekommen, wir gönnten ihnen natürlich die Erfrischung bei manchem Freak mussten wir sogar eine etwas längere Einzelbehandlung durchführen, denn wir wollten nicht das sie das DC10 liegend verlassen. Der circoloco Tanz ein wahres Erlebnis, die Musik, die Party, die Location und vor allem das feiernde Publikum mit ihren ausgefallenen Outfits küren den Montagnachmittag zu dem Tag, vor dem uns unsere Vorfahren immer gewarnt haben, wir fühlten uns aber für NICHT schuldig, wir fühlten uns eher so als wären wir vor dem schönsten Tag des Jahres gewarnt worden. Der letzte Kurs der Feierausbildung – das Finale – fand hier an der carretera de las Salinas statt. Nicht umsonst heißt das Motto der Party „sorry, we are circoloco“. Wer hier bei 30° im Schatten auf der Terrasse rockt, der hat sein Gehirn längst am Eingang abgegeben. Rücksprache mit dem Hausarzt scheint hier niemand gehalten zu haben, das war ja auch nicht nötig denn der Ambulancewagen stand wie immer direkt vor der Tür. Selbst die Sonne schaffte es nicht mit uns mitzuhalten, sie verschwand nämlich auf einmal hinter dem Horizont und so war am Montagabend ein Ende vom Wochenende noch lange nicht in Sicht. Von einem ibizenko erfuhr ich, dass die Sonne am nächsten Tag wieder arbeiten musste. Somit waren wir ihrem nur kurzen Besuch auch nicht böse. Doch selbst als man nur noch die Lichter des Clubs sehen konnte, trauten sich nur wenige ihre Sonnenbrillen abzusetzen. Da es auf der Terrasse immer voller wurde verzogen wir uns nach draußen auf den Schotterplatz. Wir musste feststellen das die 200 - 300 Leute im Außenbereich genauso am feiern waren, wie unsere neuer Freundeskreis auf der Terrasse. Wir setzten uns in ein gemütliches Eck und genossen die Scheiben die der DJ auf die Plattenteller klatschte. Wer hatte eigentlich die letzten Stunden aufgelegt.  Uns kam es so vor als verlagerte sich die Party so langsam nach draußen. Die Securitys hatten draußen bald mehr zu tun als drinnen. Auch die zwei feiernden Freaks mit der Clownmaske und dem Sturzhelm ließen sich außen blicken. Da wir nicht mehr stehen konnten machten wir es uns bequem und führten wie so oft sinnlose Gespräche. Doch wir verstanden uns prächtig und fühlten uns genauso wohl wie die letzten Stunden davor. Ich musste mir eine weitere Frage stellen als ich den vollgeparkten Parkplatz sah. Wie kommen diese Autos alle nach Hause. Wer von den Freaks im Club war überhaupt noch fähig mit dem Auto zu fahren, geschweige denn wer war überhaupt fähig mit dem Auto her zu fahren. Aus Insiderkreisen erfuhr ich, das die parkenden Autos überhaupt nicht zum DC10 Publikum gehörten, denn der Club wurde erst eröffnet, als es den Parkplatz mit den parkenden Autos schon längst gab.
 So langsam aber sicher bereiteten wir uns schweren Herzens auf den Abschied vor. Wir packten unsere drei Berliner Freunde ins Schlepptau und diskutierten über die nächste Station. Die Plattenteller zogen weiterhin ihre Kreise und die Menge tobe immer noch so wie bei unserer Ankunft. Wir stiegen in ein Piratentaxi ein und ließen uns zur Endstation Bora Bora fahren. Während der Fahrt fragte ich mich ob das DC10 wohl bis zum nächsten Sommer ohne uns auskommen wird und dann wurde mir auch klar warum der Club zu später Stunde nicht leerer wird. Das feiernde Publikum kommt ja gar nicht nach Hause. Denn die normalen Taxis fahren den Club abends nicht mehr an und mit dem eigenen Auto kann sowieso keiner mehr fahren. Aber was passiert wenn sich einmal die Plattenteller im DC10 nicht mehr im Kreis drehen sollten. Ich hoffe dass das Gehege niemals geschlossen wird, denn was sollte man denn mit ihnen anstellen, hier gehören sie her, hier sind sie geboren worden, hier sind sie aufgewachsen und hier werden sie auch für immer leben – die geilsten Rocker der Welt – die circoloco Rocker – und wenn sie nicht gestorben sind dann feiern sie noch heute. Kurze Zeit später erreichten wir die Endstation Bora Bora. Für mich war es auch die Endstation doch für viele anderen mal wieder nur ein Zwischenstop zwischen der Afterhour und der Afterhour danach. Die Strandbar von DJ Gee hat sich nicht wirklich verändert in den letzten Jahren, jedes einzelne Flugzeug wird immer noch bevor es die Landebahn berührt vom Publikum herzlichst begrüßt und alle anwesenden schlugen sich, wie sollte es auch anders sein, die Zeit mit feiern um die Ohren. Die Getränkepreise sind unter anderem mal wieder auf ein absolutes Rekordhoch gestiegen. Wir ließen uns davon, wie alle anderen auch, natürlich nicht abhalten und genehmigten uns noch einen Drink. Der Tänzer mit der Gummipuppe von meinem letzten Bora Bora besuch war leider nicht mehr unter uns, vielleicht ist er auf dem Weg vom DC10 verloren gegangen. Unbestätigten Meldungen zufolge werden jedes Jahr mehrere Menschen die den Weg zur monday morning session angetreten haben, für vermisst gemeldet. Wir schleppten uns von der Strandbar zurück in die Unterkunft meiner zwei Nürnberger Freunde und hofften das sie uns an der Rezeption noch erkannten, denn mittlerweile waren doch ein paar Stunden vergangen als wir das letzte mal nach einem Zimmerschlüssel fragten. Doch wir hatten mal wieder Glück und wenig später versuchten wir uns, so gut wie möglich, von diesem Tag zu erholen. Doch eine weitere Mutprobe stand noch bevor, der Besuch der monday night session im Amnesia. Ich versuchte diese mit aller Gewalt zu verhindern, doch ich musste mich geschlagen geben und wenige Zeit später standen wir mitten im Cocoon. Der Main Room war mal wieder viel zu voll und so verzogen wir uns auf die Terrasse. Ein seltsames Gefühl nach dem DC10 Besuch auf einmal im Amnesia zu stehen. Da der Vormittag ganz schön anstrengend war, verließen wir frühzeitig den Club der Götter und machten es uns auf dem Zimmer gemütlich. Die sinnlosen und ziellosen Gespräche kreisten mal wieder wild um her und suchten einen Zuhörer, trotz das keiner von uns drei fähig war dem anderen zuzuhören verstanden wir uns prächtig und hielten für unsere Verhältnisse einige spannende Diskussionen. Die Sonne stand fast schon wieder an ihrem höchsten Punkt, als ich auf einen wichtigen Termin aufmerksam gemacht worden bin. Ach Gott, da war doch was - mein Rückflug in die gute alte Heimat. Ja aber, ich wollte doch vorher noch schlafen und was essen, die beiden Dinge die ich für den Dienstag fest eingeplant hatte ließen sich leider nicht verwirklichen. So stand ich dann auf einmal mit meiner Tasche am Flughafen und verabschiedete mich von einem der schönsten Plätze dieses Planeten. Mit der Sonnenbrille auf dem Kopf stieg ich ins Flugzeug ein. Der Pilot stand am Eingang und begrüßte jeden Fluggast, als ich an ihm vorbei lief erinnerte er mich an den Typ mit der Clownmaske aus dem DC10. Mit einem etwas mulmigen Gefühl im Bauch nahm ich Platz, prüfte die Anwesenheit der Spucktüte und schnallte mich an. Wenig später hallte die Nachricht boarding complete durch den Flieger und wir hoben ab in Richtung Austria Vienna. Als wir kurz vor der Landung waren erhielten wir noch die aktuellen Wetterdaten von Wien und auf einmal, es ging ganz plötzlich, fühlte ich mich zurück in einer anderen Realität.
Wenn ich ein Fazit aus meinem diesjährigen Ibiza Aufenthalt ziehen müsste, so würde es lauten:
"Ohne Worte"
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